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Realität oder Kopfkino? Die Wahl Ihrer Wahrnehmung


Der Spiegel des Aussen

Stellen Sie sich vor, Sie erzählen einen Gedanken, der Ihnen wichtig ist. Noch während Sie sprechen, richtet sich Ihre Aufmerksamkeit auf die Reaktionen der anderen. „Wie kommt das an? Was denken sie gerade über mich?“ In diesem Moment führen nicht Ihre Worte, sondern die Reaktionen im Aussen. Genau hier beginnt Fremdwahrnehmung.


Eine instabile Referenz

Fremdwahrnehmung bedeutet, die eigene innere Position am Urteil anderer auszurichten. Ein Blick, ein Kommentar, ein Schweigen und schon verändert sich die innere Stabilität.

Fremdwahrnehmung ist oft nur die Spiegelung eines Menschen, der selbst in Fremdwahrnehmung lebt.

Viele Menschen, an deren Reaktionen Sie sich orientieren, sind selbst nicht in ihrer eigenen Wahrnehmung verankert, denn sie bewegen sich im Aussen, im Vergleich, im Bewertungssystem. Damit entsteht eine Kette von Spiegelungen, instabil und abhängig.


Wer spiegelt eigentlich wen?

Und so entsteht ein kollektives Labyrinth, in dem einer den anderen beurteilt, während er selbst keine innere Referenz hat. Das Ergebnis ist ein Aussenkino aus Rollen, Erwartungen und Bildern, ohne wirklichen Halt.


Und genau hier zeigt sich die Absurdität: Fast alle bewegen sich im fremdwahrnehmenden Kopfkino. Dadurch werden Zeit, Energie und Fokus verschwendet.


Kaum jemand prüft über die eigenen Sinne – Sehen, Hören, Fühlen, Riechen, Schmecken – was tatsächlich geschieht. Realität wird nicht mehr über unmittelbare Erfahrung definiert, sondern über Bilder und Urteile anderer. Fernsehen, Social Media, kollektive Narrative verstärken diese Verschiebung. Damit kreist Fremdwahrnehmung endlos im Aussen, während die Klarheit der eigenen Wahrnehmung im Kopfkino untergeht.


Die unmittelbare Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments gilt vielen als uninteressant. Erzählen Sie von dem, was Sie gerade sehen, hören oder fühlen, und das Ego des Gegenübers winkt ab. Ein entspannter Tag auf einem Boot, an dem scheinbar nichts geschieht, wirkt für das Ego bedrohlich, weil es Leere mit Bedeutungslosigkeit verwechselt. Doch genau in dieser Ruhe entsteht die Fähigkeit, langfristig tragfähige Entscheidungen zu treffen und Drucksituationen souverän zu meistern.


Selbstwahrnehmung – die stabile Referenz

Wer konsequent die Aufmerksamkeit nach innen richtet, stabilisiert die eigene Wahrnehmung und verankert sich tief im Sein. Dies geschieht, wenn Sie Körperempfindungen wahrnehmen, Gedanken beobachten, jedoch nicht in Reaktivität fallen, Gefühle spüren und sie als Inhalte im Raum Ihres Bewusstseins erkennen.


Der Unterschied ist entscheidend:

  • Fremdwahrnehmung interpretiert Reaktionen.

  • Selbstwahrnehmung spürt und beobachtet, was wirklich da ist.


Statt zu denken „Er schaut kritisch, ich war nicht überzeugend“, nehmen Sie wahr: „Mein Herz schlägt schneller. Meine Stimme klingt angespannter.“ Damit bleiben Sie in Ihrer unmittelbaren Realität statt im Kopfkino.


Die Wirkung ist deutlich:

  • Fremdwahrnehmung erzeugt Anpassung, Energieverlust, Unsicherheit und führt zu Abhängigkeit.

  • Selbstwahrnehmung schafft Stabilität, Ruhe, Klarheit und letztlich Unabhängigkeit.


Das ist mehr als ein kleiner Unterschied. Es ist ein Bruch in der Referenz: vom Spiegel anderer zum eigenen Erleben.


Präsenz als Schlüssel

Wie gelingt der Wechsel? Durch bewusste Präsenz. Präsenz bedeutet, den Fokus in den Körper zu holen. Spüren, atmen, bewusst sein.


Gedanken dürfen auftauchen, doch sie führen nicht mehr. Präsenz hält die Aufmerksamkeit im Jetzt. In diesem Zustand entsteht Ruhe. Der Denker tritt in den Hintergrund. Der Körper wird zur Referenz. Genau hier beginnt Führung aus Klarheit. Wer Präsenz trainiert, gewinnt die Fähigkeit, in Stresssituationen gelassen zu bleiben, Konflikte klarer zu steuern und die eigene Wirkung zu stärken.


  • Im Meeting: Statt auf jede Reaktion im Raum zu achten, bleiben Sie in Ihrer Körperwahrnehmung. Das verleiht Ihnen Ruhe und Überzeugungskraft.

  • In Gesprächen: Sie hören nicht nur Worte, sondern nehmen zugleich Ihre eigene Resonanz wahr. Das verändert den Dialog von Anpassung zu echter Begegnung.

  • In Entscheidungen: Sie verlassen den reaktiven Abgleich und treffen Entscheidungen aus innerem Wissen. Das gibt Klarheit und Sie bleiben unabhängig von äusseren Erwartungen.


So entsteht der Wandel von Angst zu Mut, von Ohnmacht zu Stärke, von Reaktivität zu bewusster Führung.


Fazit

Jeder Moment stellt die gleiche Frage: Orientiere ich mich am Spiegel des Aussen oder an meiner eigenen Wahrnehmung? Die Wahl für Selbstwahrnehmung bringt Ihnen Klarheit im Denken, Ruhe im Körper und Unabhängigkeit von Urteilen. Diese Qualität verändert Ihre Führung, Ihre Entscheidungen und Ihre Wirkung auf andere – und sie markiert den Schritt aus Reaktivität in souveräne Präsenz.


Wo spüren Sie im Alltag am stärksten den Unterschied zwischen Kopfkino und echter Wahrnehmung? 

 
 
 

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